„Wer mit Tinte schreibt, ist nicht mit dem zu vergleichen, der mit Herzblut schreibt“, stellte einst der Philosoph Khalil Gibran fest. Ein Satz, der sinnbildlich für die Geschichte der Familie Stoess über inzwischen vier Generationen hinweg steht. Denn jeder einzelne Geschäftsführer des traditionsreichen Juwelierunternehmens hat nicht nur das Goldschmiedehandwerk mit Leidenschaft ausgeübt, sondern dem Familienbetrieb auch einen wesentlichen Teil seines Lebens gewidmet.
Auch Wolfgang A. Stoess, der das Atelier Stoess in Wiesbaden seit 2002 in vierter Generation führt, lebt diese Hingabe mit spürbarer Überzeugung fort – ganz im Geist seines Urgroßvaters Wilhelm Stoess. Dieser legte im Jahr 1886 in der Berliner Friedrichstraße den Grundstein für das Unternehmen. Nach einem prägenden, zehnjährigen Aufenthalt in Paris – dem damaligen Zentrum der Goldschmiedekunst – kehrte er mit umfassendem Wissen, gestalterischem Feingefühl und großer Leidenschaft zurück, um seine Vision von außergewöhnlichem Schmuck zu verwirklichen.
Die in seinem Atelier entstandenen Stücke überzeugten durch handwerkliche Präzision und eine unverwechselbare Formensprache. Schon bald fand Wilhelm Stoess mit seinen Entwürfen eine internationale Kundschaft, die weit über Deutschland hinausreichte. Selbst der Hochadel zählte zu seinen Auftraggebern: So bestellte etwa um 1890 Zar Nikolaus II. eine kostbare Brosche. Der große Erfolg ließ nicht lange auf sich warten – bereits wenige Jahre nach der Gründung wurde das Atelier um ein eigenes Ladengeschäft erweitert.

Im Jahr 1928 übernahm sein Sohn Walter Stoess die Leitung des Unternehmens. Es gelang ihm, den Erfolg über viele Jahre hinweg weiter auszubauen – bis dieser mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ein abruptes Ende fand. Wolfgang A. Stoess’ Großvater verweigerte den Beitritt zur nationalsozialistischen Partei und musste dafür einen hohen persönlichen Preis zahlen: Das Geschäft in der Berliner Friedrichstraße wurde geschlossen, die Wohnung der Familie geräumt.
Mit großer Entschlossenheit gelang es Walter Stoess und seiner Frau Margot dennoch, einen Teil des kostbaren Schmucks zu retten. Einige Stücke hatten sie vorsorglich im Berliner Umland vergraben, andere wurden in Seidenpapier gewickelt und am Tag der Räumung unauffällig in der Kleidung verborgen. „Und plötzlich fiel ein Päckchen zu Boden – direkt vor die Füße eines Soldaten“, berichtet der Enkel. „Auf seine Frage, was darin sei, antwortete meine Großmutter ruhig: ‘Ein Stück Seife.’“ Mit dieser Geistesgegenwart bewahrte sie nicht nur den Schmuck, sondern auch die Zukunft des Familienunternehmens.
Mit den geretteten Juwelen begann 1946 in Wiesbaden ein neuer Anfang. Am Bismarckplatz eröffnete Walter Stoess ein Atelier, das zunächst von den schwierigen Jahren des Wiederaufbaus geprägt war. Die wenigen zahlungskräftigen Kunden waren vor allem US-amerikanische Soldaten, die Verlobungs- und Trauringe erwarben. Doch allmählich stellte sich ein wirtschaftlicher Aufschwung ein – und mit ihm der Entschluss, den nächsten Schritt zu gehen: den Umzug an einen größeren Standort in der Wilhelmstraße 34.

Seitdem ist die Wilhelmstraße in Wiesbaden der feste Firmensitz des Atelier Stoess. Durch kontinuierliche Weiterentwicklungen – sowohl in den Räumlichkeiten als auch im Designverständnis und im Markenauftritt – konnte das Unternehmen seinen Erfolg nachhaltig ausbauen.
Als Wolfgang Stoess im Jahr 1962 das Geschäft in dritter Generation übernahm, legte er besonderen Wert auf den Aufbau und die Pflege vertrauensvoller Handelsbeziehungen. Denn nur durch enge Partnerschaften mit erstklassigen Lieferanten lassen sich höchste Qualität und ein faires Preisgefüge dauerhaft gewährleisten. Gleichzeitig prägte er das Unternehmen mit seiner ausgeprägten gestalterischen Handschrift. Zahlreiche Auszeichnungen für seine Schmuckkreationen zeugen von seinem kreativen Talent und seinem Gespür für zeitlose Eleganz.
In diese traditionsreichen Fußstapfen trat im Jahr 2002 Wolfgang A. Stoess. Als diplomierter Diamantgutachter, Edelsteinexperte und Schmuckdesigner führt er die Werte und die Handwerkskultur seiner Vorfahren konsequent weiter.
Unter seiner Leitung entwickelte sich das Familienunternehmen zu einem modernen Atelier, das alle Kompetenzen unter einem Dach vereint. Neben einem eigenen Uhrenatelier wurden die verschiedenen handwerklichen Disziplinen eng miteinander verknüpft. Heute bilden vier Säulen das Fundament des Erfolgs: spezialisierte Gemmologen, kreative Schmuckdesigner, erfahrene Goldschmiede und versierte Uhrmacher – vereint in einem eingespielten Team mit höchstem Anspruch an Qualität und Service.
Konsequent trägt das Haus heute den Namen „Atelier Stoess“ und steht damit für die Verbindung aus Tradition, Expertise und zeitgemäßer Gestaltung. Gemeinsam mit seinen neunzehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lebt Wolfgang A. Stoess diese Werte Tag für Tag – mit Leidenschaft, Präzision und einem tiefen Sinn für Beständigkeit und Perfektion.
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