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Uhrenlexikon

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Das Atelier-STOESS-Uhrenlexikon

Wissen Sie was das Tourbillon ist? Kennen Sie die Ankerhemmung? Oder können Sie sich vorstellen was sich hinter dem Begriff Schwanenhals in der Uhrmacherkunde verbirgt?
Diese und viele weitere Begriffe erläutern wir Ihnen in unserem Uhrenlexikon. Ob Uhrenliebhaber oder Interessierte tauchen Sie ein in die spannende Welt der Zeitmesser!

A – D

Anker

Zweiarmiger Verbindungshebel zwischen Räderwerk und Unruh. Er überträgt die Energie vom Räderwerk auf die Unruh.

Ankerrad

Letztes Rad im Räderwerk, das sich mit größter Geschwindigkeit dreht. Gemeinsam mit dem Anker bildet es die Hemmung eines Uhrwerks.

Ankerhemmung

Hemmung mittels eines Steinankers mit Paletten, auch „Schweizer Ankerhemmung“ genannt

Aufzugswelle

Welle, an deren äußeren Ende die Krone angebracht ist. Die Aufzugswelle stellt die Verbindung zum Uhrwerk her. Über ein kleines Getriebe und ein Hebelwerk können Funktionen wie Aufziehen des Uhrwerks, Stellen der Zeiger und weiterer Anzeigen wie Datum, Wochentag, Mondphase u. ä. bedient werden.

Automatikuhr

Uhren, die sich durch das Tragen am Arm selbständig aufziehen. Dies geschieht, indem sich eine Schwungmasse durch die Bewegung der Uhr am Handgelenk dreht oder pendelt. Eine Wechselvorrichtung bewirkt eine stets gleiche Drehrichtung des Aufzuggetriebes. Eine Rutschkopplung (langsam nachgleitende Feder) sorgt dafür, dass die Energie liefernde Zugfeder im Federhaus nicht überspannt wird.

Breguet-Spirale

Unruhspirale, deren äußerer Umgang in einer exakt berechneten Kurve oberhalb der restlichen Spirale verläuft. Dadurch kann sich die Spirale nach allen Seiten gleichmäßig ausdehnen.

Caliber

Bezeichnung für ein Uhrwerk nach Bauart und Abmessung

Chronograph

(Griech. „Zeitschreiber“) Uhr mit Zusatzeinrichtung zum Messen von Zeitintervallen

Chronometer

Geschützter Begriff, der nur für Uhren mit einer bestandenen amtlichen Prüfung verwendet werden darf. Während der 16-tägigen Prüfung wird die Uhr in verschiedenen Lagen und bei unterschiedlichen Temperaturen geprüft. Wenn dabei vorgeschriebene Toleranzen nicht überschritten werden, wird der Gangschein erteilt.

Drücker

Zur Bedienung von Uhren mit Zusatzfunktionen reicht die Krone allein nicht aus. Deshalb versieht man diese Uhren mit kleinen Druckschaltern, meist rund, gelegentlich auch eckig, die seitlich, meist beidseitig der Krone aus dem Gehäuse ragen. Man bezeichnet sie als Drücker. Mechanische Chronographen haben meist zwei Drücker, Quarzausführungen haben manchmal sogar vier Drücker.

E - H

Ebauche

(Frz. „Rohwerk“) Ein nahezu vollständiges Uhrwerk, jedoch ohne Unruh.

Echappement

(Frz. „Hemmung“) Ein Echappement ist ein Uhrenbauteil, das aus einer kleinen Platine besteht, auf der Ankerrad, Anker sowie die Unruh jeweils mit ihren Kloben montiert sind (siehe auch „Anker“). Ein Echappement kann in verschiedenen Uhren mit passendem Räderwerk eingebaut werden. Es ist mit wenigen Schrauben auf dem Räderwerk befestigt und kann problemlos aus- und eingebaut werden, ohne dass das Uhrwerk zerlegt werden muß.

Ewiger Kalender

Vollkalendarium mit Angabe von Tag, Datum, Monat, evt. sogar Jahr und Mondphase. Schaltjahre werden hierbei automatisch berücksichtigt. Nach einer einmaligen Einstellung des ewigen Kalenders läuft dieser mehrere Jahrzehnte, ohne nachgestellt werden zu müssen.

Federhaus

Trommel von geringer Höhe und großem Durchmesser, die an der Außenseite einen Zahnkranz trägt und im Inneren die Energie liefernde Zugfeder beherbergt.

Feinregulierung

Unter einer Feinregulierung versteht man ein bei Präzisionsuhren angewendetes Arbeitsverfahren, das die besonders genaue Regulierung der Uhr zum Ziel hat. Es erfordert große Erfahrung und Geschick des Uhrmachers.

Formwerk

Alle Uhrwerke, die nicht rund sind, werden in der Uhrmacherei als Formwerk bezeichnet.

Frequenz

Schwingungsdauer, die in der Einheit Hertz angegeben wird. 1 Hz = 1 Schwingung pro Sekunde In einem elektrischen Wechselfeld wird das Mineral Quarz zum Schwingen gebracht (Piezoelektrizität). Dieser Schwingquarz liefert eine sehr gleichmäßige Frequenz von 50.000 – 100.000 Schwingungen pro Sekunde. Über Frequenzteiler und Synchronometer wird das Zeigerwerk einer Quarzuhr angetrieben.

Funkuhr

Quarzuhr, die mit einem Funkempfänger und einem Decoder ausgerüstet ist. Die Physikalisch Technische Bundesanstalt in Braunschweig sendet über den Langwellensender DCF 77 in Mainflingen die „gesetzliche Zeit“ an jede Funkuhr. Maximale Gangabweichung der Braunschweiger Cäsium-Atom Uhr: 1 Sekunde in 20.000 Jahren. Reichweite des Senders: bis zu 2000 Kilometer.

Gangabweichung

Der tägliche Gang einer Uhr ist die Abweichung von der genauen Zeit und wird in Sekunden pro Tag angegeben.

Gangdauer

Sie kann auch als Gangreserve bezeichnet werden. Sie beschreibt die maximale Laufzeit der mechanischen Uhr in Stunden nach Vollaufzug.

Gangschein

Für Uhren, die eine Prüfung bei einem offiziellen Prüfinstitut bestanden haben, wird ein sog. Gangschein (frz. „Bulletin de marche“) ausgestellt. Ist die Uhr höchsten Ansprüchen an die Ganggenauigkeit gerecht geworden, verleiht das Prüfinstitut ein Chronometerzeugnis.

Gesperr

Das Gesperr verhindert das unkontrollierte Entspannen der Zugfeder im Federhaus.

GMT

Greenwich Mean Time. Greenwich bildet den Null-Meridian der Weltzeit. Die Zeitanzeigen der Welt erfolgen immer bezogen auf GMT. So hat z.B. New York GMT – 5, Sidney GMT + 10.

Handaufzug

Eine Uhr, deren Feder durch das tägliche Aufziehen mit der Aufzugskrone gespannt wird.

Heliumventil

In professionellen Taucheruhren befindet sich im Gehäuse ein Heliumventil. Denn in große Tauchtiefen von mehreren Hundert bis Tausend Metern kann ein Mensch nur mit einer Tauchglocke vordringen. Der Druck ist dort einfach zu groß. Die Luft in einer Tauchglocke wiederum wird mit Helium angereichert, damit der menschliche Organismus und seine Atmung weiterhin gut funktioniert. Das flüchtige Gas Helium schlüpft dabei durch die üblichen Dichtungen einer Uhr in das Gehäuse. Beim Auftauchen könnte es das Gehäuse ohne Heliumventil aber nicht analog zur Auftauchgeschwindigkeit verlassen. Als Konsequenz würde das Glas der Uhr gesprengt oder die Bodendichtung bersten. Ein Heliumventil ermöglicht also das Entweichen des Gasgemisches, so dass die Uhr mit ihrem Träger unbeschadet wieder auftauchen kann.

Hemmung

Die Hemmung (frz. „Ebauchement“) besteht in einer modernen Uhr aus Anker und Ankerrad. Sie hat einerseits die Aufgabe, das Räderwek, das durch die Zugfeder angetrieben wird, abzubremsen und andererseits dessen Drehbewegung in eine Hin- und Herbewegung der Unruh umzuwandeln.

I – M

Incabloc

Die meistgebrauchte Stoßsicherung bei Taschen- und Armbanduhren.

Kleine Sekunde

Stammt aus der Zeit der Taschenuhren. Ein kleines Hilfszifferblatt mit einem kleinen Sekundenzeiger, das meist bei der 6 angeordnet ist. Der ursprüngliche Zweck war weniger die Überprüfung der Gangenauigkeit, sondern vielmehr eine visuelle Kontrollmöglichkeit, ob die Uhr noch lief.

Krone

Das „Rädchen“, mit dem man die Uhr aufzieht wird unter Fachleuten Krone genannt. Der Name rührt wohl von der geriffelten, früher meist runden Form her.

Kronenaufzug

Der Kronenaufzug wurde 1861 von dem Genfer Uhrmacher Adrien Philippe als Patent angemeldet und löste den bis dahin üblichen Schlüsselaufzug ab. Erst diese Erfindung hat viele der herausragenden Eigenschaften mechanischer Armbanduhren später (Wasser- und Straubdichtigkeit, unkomplizierte Handhabung, Funktionssicherheit) überhaupt möglich gemacht.

Lager

Neben den Kugellagern für Automatikschwungmassen werden bei Qualitätsuhren die aus synthetischen Rubinen bestehenden Gleitlager verwendet. Sie dienen als Stoßsicherung für das Uhrwerk.

Lagerstein

Dies sind i.d.R. synthetische Rubine, die wegen ihres geringen Verschleißes (große Härte), ihrer hervorragenden Gleiteigenschaften, Reibungsminderung und guter Ölhaltung bei der Aufnahme der Zapfen von Rädern, Anker und Unruh zum Einsatz kommen.

LCD

Engl. „Liquid crystal display“: Flüssigkristallanzeige bei heutigen Quarzuhren.

LED

Engl. „Light emitting diodes“: Anzeigesystem bei den ersten Quarzuhren mittels Leuchtdioden. Durch den hohen Stromverbrauch verschwand das System bald und wurde durch LCD ersetzt.

Lepine

Taschenuhr. Offenes Gehäuse ohne Sprungdeckel.

Linie

Altes, in der Uhrenherstellung heute noch immer verwendetes Längenmaß. Eine Linie entspricht 2,256 Millimeter.

Lünette

Mit diesem aus dem Französischen stammenden Wort (eigentl. Augenglas, Fernglas) bezeichnet man heute den Glasrand einer Uhr.

Mineralglas

Uhrenglas aus Saphirglas, das sehr kratzfest ist.

Minutenrepetition

Uhren mit eingebautem Schlagwerk, die den letzten Stundenschlag auf Aufforderung wiederholen, nennt man Repetitionsuhren. Eine Verfeinerung ist die Minutenrepetition: Hier wird durch Betätigung eines Schiebers ein Schlagwerk aufgezogen. Dieses schlägt zunächst die vergangenen Stunden, anschließend die seit der letzten vollen Stunde vergangenen Viertelstunden und zuletzt die seit der Viertelstunde vergangenen Minuten.

N – S

Nivarox

Speziallegierung für Unruhspiralen. Die Nivaroxspiralen sind rostfrei, nicht magnetisierbar und verhalten sich fast neutral bei Temperaturschwankungen.

Räderwerk

Das Räderwerk einer Armbanduhr besteht aus fünf Rädern: Dem Federhaus als Antriebsrad, dem Minutenrad, dem Kleinbodenrad, dem Sekundenrad sowie dem Ankerrad. Dies gehört genau genommen nur mit seinem Trieb zum Räderwerk, das Rad ist schon Teil der Hemmung.

Reglage

Uhrenregulierung. Der letzte Umgang der Unruhspirale läuft zwischen zwei kleinen Stiften, dem sog. Spiralschlüssel. Dieser ist verschiebbar, die wirksam Länge der Spirale somit veränderbar. Manche Hersteller guter Uhren verzichten auf den Spiralschlüssel, gleichen die Unruhspiralen schon bei der Herstellung sehr genau ab und regulieren ihre Unruh nur durch Schrauben, die am Unruhreif sitzen. Diese Art der Reglage erfordert z.T. Spezialwerkzeuge und sehr viel Geschick der Uhrmachers.

Repetition

Siehe Minutenrepetition.

Rotor

Schwungmasse bei Automatikuhren. Meist in Form eines Halbkreises ausgeführt und in der Werkmitte auf der Rückseite des Uhrwerks angebracht. Der Zahnkranz, der in das Automatikgetriebe eingreift, ist fest mit dem Rotor verbunden. Der Rotorschwerpunkt sitzt möglichst weit außen, um eine große Hebelwirkung zu erzielen, wenn die Uhr bewegt wird.

Rubin

Roter Edelstein der Korund-Gruppe. Härte 9. Vgl. „Lagersteine“.

Saphirglas

Kratzfestes Glas mit der Härte 9 auf der Mohs`schen Härteskala. Nur der Diamant ist härter.

Savonette

Taschenuhr mit Sprungdeckel.

Schwanenhals

Äußerst genau einstellbare Regulierhilfe, die bis auf wenige Ausnahmen nur in Präzisionstaschenuhren Verwendung findet.

Stoßsicherung

Das empfindlichste Teil eines Uhrwerks ist die Unruh, deren Lagerzapfen nur wenige 1/100 Millimeter dick sind. Um Beschädigungen bei Stößen zu vermeiden, dreht sich die Unruh in den heutigen Uhren in gefederten Lagern, die starke Erschütterungen absorbieren.

T – Z

Tourbillon

Auf der Suche nach Möglichkeiten, Schwerpunktfehler zu vermeiden, erfand Abraham Louis Breguet um 1800 das Tourbillon. Bei dieser Vorrichtung arbeiten Ankerrad, Anker und Unruh im sog. Käfig, einem auf der Welle des Sekundenrads sitzenden Gestell. Das Sekundenrad ist auf der Grundplatine festgeschraubt. Das Drehgestell, in dessen Mitte die Unruh genau über der Welle des Sekundenrads schwingt, dreht sich um das festgeschraubte Sekundenrad, wobei der Trieb des Ankerrads auf diesem abläuft. Durch diese Konstruktion dreht sich die gesamte Hemmung einmal pro Minute um sich selbst. Schwerkrafteinflüsse werden dadurch eliminiert.

Unruh

Die Unruh ist der Gangregler (Zeitteiler) der heutigen Taschen- und Armbanduhren. Sie besteht aus einem Schwungring auf einer Stahlwelle, sowie einer Hebelscheibe und einer Spirale. Die Unruh wird über die Hebelscheibe durch den Anker aus ihrer Ruhelage bewegt und durch die Spirale wieder zurückgeführt. Die Spirale ist so auf die Unruh abgestimmt, dass eine gewünschte Schwingungszahl erreicht wird. Durch Veränderung der wirksamen Spirallänge wird die Uhr reguliert.

Zeigerwerk

Räder und Triebe eines Uhrwerkes, die den Lauf des Räderwerks über die Zeiger sichtbar machen.